COPD Exazerbation
Symptome und Befunde
- meist bekannte COPD (chronic obstructive pulmonary disease)
- Husten, Auswurf, Dyspnoe, auf Distanz wahrnehmbares Giemen bzw.
verlängertes Exspirium
Diagnostik
- Auskultation: Giemen (insbesondere exspiratorisch), verlängertes
Exspirium
- Blutgasanalyse: Einschätzung des Schweregrads
- pO2 vermindert, pCO2 normal ...
respiratorische Partialinsuffizienz (pCO2 eventuell
vermindert durch Hyperventilation aufgrund der Hypoxie)
- pO2 vermindert, pCO2 erhöht ...
respiratorische Globalinsuffizienz
- Labor: Infektparameter (CRP, Leukozyten) zur Abschätzung, ob eine
Infektion wahrscheinlich ist
- Thorax-Röntgen: Infiltrat bei Pneumonie
Therapie
- Sauerstoffinsufflation: Ziel ist dabei nicht eine pulsoximetrische
Sauerstoffsättigung von 100 %, sondern nur 90-95 %, da insbesondere bei
längerfristig bestehender COPD durch einen hohen pO2 im Blut
der Atemantrieb vermindert werden kann (Umstellung der Steuerung des
Atemantriebs von CO2 auf O2), was den Übergang von
einer Partial- zu einer Globalinsuffizienz begünstigt bzw. zur
Bewusstseinstrübung (hyperkapnische Enzephalopathie) führen kann.
- Hochdosierte inhalative Bronchodilatatoren. Diese werden als
Dosieraerosol oder vernebelt mit dem zugeführten Sauerstoff verabreicht
in Form eines Beta-2-Sympathomimetikums (z. B. Sultanol) und eines
Parasympatholytikums/Anticholinergikums (Ipratropium). Bei ineffektiver
inhalativer Applikation systemische Applikation (z. B. 0,5 mg Terbutalin
subkutan oder als Kurzinfusion).
- Glukokortikoide: Diese werden in der Akutsituation systemisch
zugeführt, z. B. 100 mg Prednisolon iv. Wirkungseintritt nach 30
Minuten.
- Theophyllin: Ohne Theophyllin-Dauermedikation 5 mg/kg als
Kurzinfusion, mit Theophyllin-Dauermedikation die Hälfte.
- Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist
notwendig, um die Bildung eines zähen Bronchialsekrets, das schlechter
abgehustet werden kann, zu vermeiden.
- Antibiotische Therapie: nur bei Hinweise auf eine Pneumonie (CRP,
Infiltrat).
Pathophysiologie der Ateminsuffizienz
Eine Ateminsuffizienz, die sich vor dem Hintergrund einer COPD
entwickelt, stellt ein klassisches Atempumpversagen dar. Die Obstruktion
nimmt zu, der intrinsic PEEP steigt und damit das Airtrapping. Die dadurch
erhöhten Lungenvolumina führen zu einer Abflachung des Zwerchfells und einer
horizontaleren Stellung der Rippen, was die ungünstigen Arbeitsbedingungen
der Atemmuskulatur verstärkt und schließlich in die Erschöpfung mündet.
Das Ziel ist daher die Wiederherstellung einer ausreichenden Ventilation
bei gleichzeitiger Entlastung der Atempumpe. Da primär kein Alveolarkollaps
besteht, sind dazu meist keine hohen Beatmungsdrücke erforderlich.
Beatmung
Ist trotz maximaler Therapie keine Besserung der respiratorischen
Situation erreichbar (Hyperkapnie, Atemfrequenz > 35 min-1,
exzessive Atemarbeit, muskuläre Erschöpfung, Bewusstseinstrübung), so ist
eine assistierte Beatmung erforderlich, die möglichst als nicht-invasives
Verfahren (NIV - nicht-invasive Ventilation über Maske oder Helm) angewendet
werden soll. Ein frühzeitiger NIV-Einsatz reduziert Intubationsrate,
Beatmungsdauer und Akutmortalität.
Grundsätzliche Respiratoreinstellung:
- PEEP 4-6 mbar
- Spitzendruck: Beginnen mit 15 mbar, Steigerung auf 25-30 mbar
- Triggerempfindlichkeit: hoch
- kurze Inspirationszeit
Bei erfolgreicher Anwendung sollte sich die Hyperkapnie und die
Atemfrequenz innerhalb der ersten Stunde verbessern.
Weitere Therapie nach Beherrschung der Akutsituation
Systemische Glukokortikoide: zunächst 50 mg/d Prednisolon (-äquivalent),
ausschleichende Dosierung über z. B. 4 Wochen
Optimierung der bestehenden antiobstruktiven Therapie
Kategorie: Krankheitsbilder
Letzte Änderung:
01.07.2008