Ätiologie
- biliär (40-50 %)
- alkoholtoxisch (30-40 %)
- idiopathisch (10-20 %)
Einteilung
- Leichte akute Pankreatitis: interstitielles Pankreasödem,
geringe Dysfunktion anderer Organe, keine lokalen Komplikationen. 80
% der Pankreasentzündungen zeigen eine leichte Verlaufsform mit
einer Letalität bis 5 %.
- Schwere akute Pankreatitis: mit Versagen anderer Organe bzw.
lokalen Komplikationen (intra- und peripankreatische
Flüssigkeitsansammlung, Nekrose, Abszess, Pseudozyste. Letalität bis
zu 40 %.
Schweregradeinschätzung
Zur Einschätzung des Schweregrads einer Pankreatitis sind
verschiedene Systeme in Verwendung. Zu den gebräuchlichen zählen:
- Ranson-Score
- CT-Klassifiktion nach Ranson und Balthazar
- APACHE II
Klinik
- Plötzlich einsetzende starke Oberbauchschmerzen, Ausstrahlung in
den Rücken (50 % der Fälle), gürtelförmig, kontinuierlich.
- Übelkeit, Erbrechen
- Fieber
- Hypovolämie, Schock
- Meteorismus
- Paralytischer Ileus
- Respiratorische Insuffizienz (meist linksseitiger Pleuraerguss,
Atelektasen)
- Endokrine Pankreasinsuffizienz (Hyperglykämie)
- Exokrine Pankreasinsuffizienz (Maldigestion, fettreicher Stuhl)
Komplikationen
Lokale Komplikationen
- Partielle, multifokale oder komplette (selten) Pankreasnekrose
- Infektion und Abszessbildung (transkolisch, hämatogen, duktal)
- Pseudozystenbildung
- Fistelbildung
- Choledochusstenose
- Duodenumstenose
- Milzvenenthrombose
Systemische Komplikationen
- SIRS, Sepsis
- Multiorganversagen, insbesondere Lungenversagen
- Disseminierte intravasale Gerinnung
Labordiagnostik
- Amylase: > 350 U/l
- Lipase: 350-1000 U/l
Das Ausmaß des Enzymanstiegs korreliert nicht mit dem Schweregrad der
Pankreatitis.
- Bei biliärer Ursache: Erhöhung von gamma-GT, alkalischer
Phosphatase, GOT, Bilirubin
- CRP-Anstieg: ab dem 2.-4. Tag, wichtiger Parameter zur
Einschätzung des Schweregrads, schwere Verlaufsform bei CRP > 15
mg/dl nach 48 Stunden
- LDH-Anstieg
- Leukozytose
- Hyperglykämie
- Hypokalzämie
Bildgebung
- Computertomographie mit Kontrastmittel
- Sonographie (oft schlechte Untersuchungsbedingungen durch
Gasüberlagerung)
- MRCP
Therapie
Eine gesicherte spezifische Therapie steht nicht zur Verfügung.
- Flüssigkeitsersatz, Stabilisierung der Hämodynamik
- Schmerztherapie
- Antibiotika: Die Anwendung von Antibiotika wird gegenwärtig
kontroversiell diskutiert. Vermehrt wird die Strategie verfolgt,
Antibiotika nicht prophylaktisch sondern erst bei nachgewiesener
Infektion (oder ausgeprägtem klinischem Verdacht auf eine Infektion)
anzuwenden. Bei manifester Infektion sind oftmals mehrere Erreger
verantwortlich (Enterobacter, Enterokokken, Anaerobier). Empfohlene
Antibiotika:
- Imipenem
- Cefuroxim + Metronidazol
- Chinolone + Metronidazol
- Piperacillin/Tazobactam
- Ernährung: Initial erfolgt die Ernährung parenteral, ab dem 3.
Tag beginnend auch wieder enteral. Die Nahrungszufuhr über eine
Jejunalsonde ist einer gastralen Applikation nicht grundsätzlich
überlegen. Die frühe enterale Ernährung vermindert das Risiko
infektiöser Komplikationen. Lipide (auch als Bestandteil einer
parenteralen Ernährung) sind nicht kontraindiziert.
- ERCP: bei biliärer Ursache
Chirurgische Intervention
Gesicherte Indikation: Infektion der Pankreasnekrose, Nachweis durch
Feinnadelpunktion bzw. bei ausgeprägtem Verdacht aufgrund der
Progression des Multiorganversagens
Zeitpunkt: so spät wie möglich (Demarkierung nach 3 bis 4 Wochen als
Voraussetzung für lokal-stumpfes Debridement)
Literatur
Adler G. Diagnostik und Therapie der akuten Pankreatitis.
Internist 2005; 46: 131-144
Gnant M, Götzinger P. Konsensus-Statement - Erkrankungen des
Pankreas. Clinicum 2007 (siehe auch:
www.medizin-akademie.at)
McPhee S. Current medical diagnosis and treatment. McGraw-Hill 2006
Kategorie: Krankheitsbilder
Letzte Änderung:
18.05.2008